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Vortrag
"Islam und Christentum - Brüder oder Feinde?"

(17. Mai 2018)

 


Unter dieser Überschrift verbarg sich ein interessanter und kurzweiliger Vortrag im Erbendorfer Kolpinghaus mit Pfarrer Dr. Werner Konrad aus Viechtach. Das Thema „Brüder oder Feinde“ kenne man auch unter Geschwistern, und manchmal seien die beiden Begriffe gar nicht weit voneinander weg. So wie es unter Geschwistern Rangkämpfe gebe und sie um die Liebe der Eltern buhlten, müsse man sich auch das Verhältnis zwischen den Weltreligionen Islam und Christentum vorstellen.

Über die Grundlagen des Christentums und des Islam nahm der Referent die Zuhörer auf eine Reise durch die Geschichte bis zu gegenwärtigen Problemen eines Islamismus mit.

Die Grundlage des Islam ist der Koran. Was für das Christentum die Person Jesu Christi ist, ist für den Islam die Heilige Schrift des Koran. Er wird als das fleischgewordene Wort Gottes gesehen und entsprechend verehrt. Im orthodoxen Islam sei daher auch keine Veränderung bzw. Übersetzung des Koran möglich. Nur der Koran in der arabischen Sprache, wie sie zur Zeit des Propheten Mohammed gesprochen wurde, sei in der strengen Auslegung des Islam gültig.

Die Frage, was der entscheidende Unterschied zwischen islamischen und christlichem Denken sei, beantwortete Dr. Werner Konrad mit dem Verweis auf ein unterschiedliches Geschichtsverständnis. Während sich die Geschichte und damit auch die Glaubensgeschichte im christlichen Verständnis entwickle (wir Christen sind heute überzeugt, dass die Bibel über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren entstanden ist, und sich der Glaube an Jesus als den Christus und Sohn Gottes auch entwickelt hat), geht der islamische Glaube von einem statischen Geschichtsverständnis aus: das heißt, an der Religion kann sich daher nichts verändern.

In einem „Flug“ durch 1500 Jahre Geschichte legte der Referent eindrucksvoll dar, dass Islam und Christentum die gleichen Wurzeln haben, da sie im gleichen Kulturraum entstanden sind und sich miteinander entwickelt haben. Über Jahrhunderte hinweg – so der Referent – herrschte mehrheitlich ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen. Im frühen Mittelalter war zunächst die arabische Kultur der westlichen weit überlegen, während in späteren Jahrhunderten und vor allem im Zeitalter des Kolonialismus die Welt als „Hinterhof Europas“ verstanden wurde.

Den Islamismus und islamistischen Terror bezeichnete Dr. Werner Konrad als junges Phänomen. Dahinter steht die wahhabitische Ideologie aus Saudi-Arabien, die seit ca. 100 Jahren die ideologische Grundlage des Islamismus liefert. Der Islamismus pervertiert nach den Worten des Referenten den Islam und benutzt eine Religion, um gegen den „Westen“ zu kämpfen. Nicht nur die christlichen Minderheiten, die in den Ländern des Nahen Ostens gerade ausgerottet werden, sondern auch liberalere Strömungen des Islam wie zum Beispiel der Sufismus werden von islamistischen Terroristen angegriffen.  Hoffnung sah der Referent in der Entwicklung eines „europäischen Islam“, der die starren Fronten aufweicht und den Islam reformieren kann. 


 


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