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Geschichtliche Entwicklung der
Pfarrei Mariä Himmelfahrt Erbendorf

 


Wurzeln Erbendorfs

Erbendorf ist noch vor 1053 von einem bayerischen Pfalzgrafen Arber oder Erber (daher der Name) gegründet. Unsere Gegend bis an die Fichtelnaab wurde von ihm an das Kloster Weissenohe in Oberfranken geschenkt, weniger zur Nutznießung als vielmehr zur Germanisierung und Christianisierung. Zuvor stand aber schon Altenstadt, damals Schönbrunn genannt vom adligen Geschlecht der Schönbrunner, mit der Vituskirche, die dann auch für Erbendorf Pfarrkirche wurde. Ihre Mauern sind die ältesten Erbendorfs. Sie waren einst eine vielbesuchte Wallfahrtskirche.
Von dem 1110 von Bischof Otto von Bamberg gegründete Kloster Michelfeld aus wurde noch im 12. Jahrhundert an der Stelle des jetzigen alten Pfarrhofs (gegenüber dem Kolpinghaus) eine Benediktinerpropstei mit Hospital (Krankenhaus, Herberge, Altenheim und einer Kapelle zum hl. Evangelisten Johannes) gegründet. Daher stand der alte Pfarrhof so weit von der Kirche entfernt. So bestanden vor 1400 in Erbendorf drei Kirchen:
- Die Vituskirche (zugleich Pfarrkirche)
- die Johanneskapelle in der Propstei (dem alten Pfarrhof)
- und eine Frühmeßkapelle "Zu Unserer Lieben Frau" für die Bergarbeiter, ein Vorfahre der jetzigen Lorettokapelle. Noch 1391 wird für die Vituspfarrei ein Pfarrer bestellt, seit 1342 ist der Propst im Hospiz zugleich Pfarrer von St. Veit.

 


 

Der Bau der Pfarrkirche

Zwischen 1391 und 1416 muss die jetzige Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" erbaut worden sein, denn das Salbuch der Herrschaft Parkstein nennt 1416 neben der Pfarrkirche zu "erndorf" die "alte Pfarr von St. Veit", diese wird dann später als "Zukirche" bezeichnet, also war der Pfarrsitz nicht mehr bei St. Veit. Diese Kirche steht nun auf dem Platz einer alten Burg. Noch wusste die Volkssage davon zu erzählen, und tatsächlich ist man bei den Grundaushebungsarbeiten für die westliche Verlängerung der Pfarrkirche 1923 auf altes, starkes Mauerwerk gestoßen, das als Rest einer alten Burg angesehen werden kann. Nach lateinischer Urkunde hat Kaiser Friedrich Barbarossa 1174 in Erbendorf einen Hoftag mit dem Böhmenkönig gehalten, der wichtige Entscheidungen über Böhmen traf. Vermutlich war es sogar eine kaiserliche Burg (der Hohenstaufen?), vgl. auch "Kaiserberg".
Um 1470 wurde die Kirche anscheinend durch Brand zerstört, denn 1474 wurde sie neu erbaut, als Erinnerung daran finden wir noch eine gotische Inschrift in einem links über dem Eingang zur Sakristei "Anno 1474 iccp. cori" (inceptio cori = Beginn des Kirchenbaus). Ein Überbleibsel aus der Zeit ist noch das starke Mauerwerk an den zum Tabernakel gewandten Seiten der Sakristei mit dem Treppenbau.
Und nun wird seit ihrem Entstehen die Pfarrkirche in das Schicksal der Pfarrgemeinde und das Städtchens Erbendorf mit hineingerissen, ein zweifaches unglückliches Geschehen formt ihre Geschichte: Die Brände und die Glaubensspaltung.

 


 

Die Brände

Seit Errichtung der Pfarrkirche verging kein Jahrhundert, in dem Erbendorf nicht mit einem Kirchenbau und einem Kirchturmbau zu tun hatte. In alter Zeit sei einmal die Kirche fast 50 Jahre tot geblieben, weil man die Baukosten nicht habe aufbringen können, so schreiben die Erbendorfer 1631 an die Regierung. Vollständig zerstört wurde die Kirche durch die großen Marktbrände 1568, 1676, 1771, 1796. Der Neubau wurde durch die Armut der Bürger in Frage gestellt und schwierig. Die Baukosten wurden mühselig durch Landessammlungen, Bettelbriefe und Bettelreisen aufgebracht. Bis zum Brand 1771 schloss das Langhaus der Kirche bei den heutigen Seiteneingängen ab, hatte je zwei Fenster, beiderseits Emporen, die Sakristei befand sich damals schon an der jetzigen Stelle, also damals im Turm.

 


 

1773/1774

Nach dem Brand von 1771 wurde die Kirche so gebaut, wie sie bis 1923 stand: Mit Verlängerung von den jetzigen Seiteneingängen bis zur Empore, mit den jetzigen Eingängen und außerdem noch einem vom Benefizium her. Wegen Verschuldung wurde die Erbauung des Turms bis 1794 verschoben.
Aber schon 1796 wurde Kirche und Turm wieder ein Raub der Flammen, das Bauwerk aber blieb größtenteils erhalten, die Kirche wurde nüchtern und schmuckarm wieder hergestellt, der Turm romanisch überdacht.
Diese Kirche wurde am 22. September 1799 gesegnet (= benediziert).
1865 wurde in 1 1/2 jähriger Bauzeit der jetzige, schöne Kirchturm erbaut und der alte Kirchturm abgetragen bis auf die zwei Stockwerke, die jetzt die Sakristei sind. 1998 wurde diese um einen Sakristeianbau erweitert.

 


 

Simultaneum

In Erbendorf hielten die Ideen Luthers ziemlich früh Einzug durch die Lage auf der Verkehrsstraße Nürnberg - Bayreuth und Eger - Prag. Die katholische oder die protestantische Mehrheit wollte jeweils die Kirche haben, die Landesherren griffen je nach ihrem Bekenntnis hier entscheidend mit ein. Nach dem 30-jährigem Krieg wurde durch den katholischen Kurfürsten von Bayern (Wolfgang Wilhelm) und seinem Bruder August in Sulzbach die erste Kirche zum Simultangebrauch (d.h. für beide Bekenntnisse) bestimmt. 1918 wurde das Simultaneum unter Initiative von Stadtpfarrer Fleischmann durch das Staatsministerium aufgehoben, 1919 in Erbendorf durch die zwei Bekenntnisse vertraglich gelöst und 1923 nach der Fertigstellung der protestantischen Kirche praktisch durchgeführt. Nachher war der erste Gottesdienst in der nun ganz den Katholiken überlassenen Stadtpfarrkirche die Rosenkranzandacht am 31. Oktober 1923, am Vorabend von Allerheiligen.