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"Erntetank" gibt zu denken

Familiengottesdienst am Erntedankfest mit kritischen Anmerkungen - Biosprit und Wettobjekt

(07. Oktober 2012)

 


 

Bepackt mit Erntedankkörbchen zogen viele Kinder mit Pfarrer Martin Besold in die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ein, um gemeinsam einen Familiengottesdienst zu feiern. Der Geistliche segnete die Erntegaben und auch die Körbchen der Kinder, die sie nach dem Gottesdienst mit nach Hause nehmen durften. Zum letzten Mal erklangen die Stimmen der Gruppe Laetitia in Großbesetzung.

Besold gab zu bedenken, dass die Gaben, die wir empfangen haben, nicht selbstverständlich seien. "Die Früchte aus den Gärten und von den Feldern, die hier im Altarraum aufgebaut sind, stehen heute für all das, was unser Leben und unsere Arbeit gedeihen lässt und reicht macht." Dafür stehe nicht allein die Ernte, sondern auch Kleidung, Wohnung und Schule sowie die Arbeit.

Nach einem Predigtspiel mit Gemeindereferentin Roswitha Heining und Martin Besold zum Thema Werbung ging der Pfarrer in seiner Predigt auf das bewusst falsch geschriebene Wort "Erntetank" ein. "Geschrieben hat es eine Schülerin im Religionsunterricht und natürlich gleich ausgebessert."

Doch in irgendeiner Weise habe das Mädchen nach den Worten des Pfarrers recht. "Denn die Ernte dieses Jahres, für die wir heute Gott danken wollen, wird ja auch für ganz Unterschiedliches und Ungewöhnliches benötigt", so Besold. So gebe es den "Ernte-Tank" in der Tat an Tankstellen, zumindest als E10 bekannten Biosprit. "Aber auch in Biogasanlagen wird ein nicht geringer Teil der Ernte unserer Felder in Energie und Wärme umgewandelt."

"Auch auf dem Finanzmarkt ist die Ernte dieses Jahres angekommen, nicht als Brotzeit, wie man meinen könnte, sondern als Wett-Objekt." Mais, Soja oder Weizen, an den Börsen entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel nach Angebot und Nachfrage. "Und manch ein Lebensmittel wird aufgrund dieser Spielerei unerschwinglich für die Armen der Welt", stellte Besold fest.

Auch lande etliches der Ernte einfach im Müll, weil der Verbraucher ein Brot, das einen Tag alt sei, nicht mehr kaufen möchte. "So ist es nicht verwunderlich, dass unsere Kinder heute das Wort Erntedank schon einmal falsch schreiben." Nach den Worten Besolds sei vor diesem Hintergrund eine neue Grundhaltung angebracht. Er nannte dazu die Demut vor der Schöpfung und ihrem Schöpfer. Der lateinische Ausdruck für das deutsche Wort Demut heiße "humilitas" und komme von Humus, Erde. "Geerdet zu sein, der Erde zugeneigt, das bedeutet zu wissen, auf welchem zerbrechlichen Grund man lebt, wo man herkommt und wo die Grundlagen für unser Leben sind."

 

Mehr Demut zur Natur

Gerade in den herbstlichen Tagen könne die Natur in einer Farbenvielfalt bestaunt werden, uns daran freuen und darüber staunen. "Das ist der erste und wichtigste Schritt, die Schöpfung zu erhalten und zu bewahren. Denn dann gehe ich anders um mit der Natur, mit mehr Demut." Bei den Fürbitten baten die Buben und Mädchen darum zu erkennen, was gut für die Natur sei, damit sie nicht zerstört werde und nach Wegen, wie alle Menschen satt werden können. Pfarrer Besold segnete die Gaben am Altar, wie auch die mitgebrachten Erntekörbchen sowie alle Gaben, die in den Familien zu Hause gemeinsam gegessen werden.

Musikalisch umrahmt wurde der Familiengottesdienst von der Gruppe "Laetetia" unter der Leitung von Gerlinde Fürst. Für die Gruppe war es das letzte Mal, dass sie gemeinsam in einem Großaufgebot mit allen Sängerinnen und Sängern ihre Stimmen erklingen ließ, nachdem Laetetia bereits im Sommer ihren Abschiedsgottesdienst gefeiert hat.

 


 

 


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